Hauptamtliche

Dass Bürgerstiftungen Hauptamtliche beschäftigen, ist (noch) nicht der Alltag bei Bürgerstiftungen, aber nicht mehr ungewöhnlich. Die Gründe dafür sind verschieden: Neben einer vielfach gewünschten Entlastung von Vorständen geben die zunehmende Komplexität der Stiftungsarbeit,

Professionalität und fachspezifische Qualifikationen, die Sicherstellung von Kontinuität, die Weiterentwicklung von Projekten sowie die Gewinnung und Begleitung von ehrenamtlich Engagierten den Ausschlag.

Die Finanzierung gelingt Bürgerstiftungen mehrheitlich aus Eigenmitteln – aus Stiftungserträgen, Spenden, Einnahmen aus einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, Mieten oder Bußgeldern sowie durch Mischfinanzierungen aus privaten und öffentlichen Mitteln.

Hauptamtliche zu beschäftigen, erschöpft sich dabei keineswegs in der Finanzierbarkeit. Vielmehr handelt es sich um strategische Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen für die Organisation Bürgerstiftung. Für sie geht es um Grundsätzliches, nämlich um ihr Selbstverständnis und ihren Charakter. Bevor also hauptamtliche Strukturen entstehen, sollte intern erarbeitet und klargestellt werden, ob und warum die Bürgerstiftung diesen Weg geht und welche Rollen sie Ehren- und Hauptamtliche zuschreibt. Erfahrungsgemäß sollte die Zusammenarbeit so gestaltet werden, dass Ehren- und Hauptamtliche nicht zueinander in Konkurrenz geraten.

Tipps & Tools

Ratgeber Hauptamt (im Erscheinen 2019) mit Beispielen, wie Bürgerstiftungen hauptamtliche Stellen finanzieren.

Hauptamt in Bürgerstiftungen. Die Finanzierung ist wichtig, aber nicht alles“, Fachartikel von Christiane Biedermann

Fakten über Hauptamtliche im Report Bürgerstiftungen 2017.

Aus den Bürgerstiftungen

Bürgerstiftung Hannover: Hauptamtliche von Anfang an

Der Weg zum Hauptamt gelingt nicht allein kapitalstarken Bürgerstiftungen, sondern auch in der Anfangsphase und mit einem geringeren Stiftungskapital. Die Bürgerstiftung Hannover nahm vor über 20 Jahren mit 105.000 DM (etwa 54.000 Euro) ihre Arbeit auf. „Wir hatten von Anfang an den Anspruch, trotz der Geldknappheit auch ein professionelles, hauptamtlich besetztes Büro zu haben“, berichtet die Vorsitzende des Vorstands Dorothea Jäger. Seitdem wird die Stiftungsarbeit konsistent durch Hauptamtliche unterstützt und gemanagt. Die Personalkosten finanzierte die Bürgerstiftung zuerst aus Spenden, mittlerweile aus Erträgen aus dem Stiftungskapital und Spenden. Insgesamt hat die Bürgerstiftung heute ca. 136 Ehrenamtliche und fünf Hauptamtliche, davon eine in Voll- und vier in Teilzeit.

Bürgerstiftung Braunschweig: Kontinuität der Ansprechperson

Nach mehrjährigen Erfahrungen mit Hauptamtlichen fällt das Fazit der Bürgerstiftung wie folgt aus: „Die im Hauptamt entwickelten Kompetenzen kommen der Bürgerstiftung direkt zu Gute, und die Kontinuität der Ansprechperson stellt Stabilität und Vertrauen in die Arbeit der Stiftung sicher“, argumentiert Hans-Herbert Jagla, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Braunschweig. Sie beschäftigt derzeit 10 festangestellte Mitarbeitende, davon fünf in Voll- und fünf in Teilzeit. Rund 350 Ehrenamtliche engagieren sich in den Projekten der Bürgerstiftung.

Bürgerstiftung Dresden: Aufbau des Stiftungskapitals

Als problematisch stellt sich heraus, wenn befristete Projektfördermittel auslaufen, weil Förderer neue Projekte bevorzugen, statt in bewährte Lösungsansätze und nachhaltige Strukturen zu investieren. Was langfristige Strukturförderung bewirken kann, zeigt die Bürgerstiftung Dresden. Die Körber-Stiftung stattete vor 20 Jahren die  erste ostdeutsche Bürgerstiftung mit einem Gründungskapital von 100.000 DM (etwa 51.000 Euro) aus, stellte ihr über Jahre die Räume ihres Dresdner Hauses zur Verfügung und sorgte von Beginn an für die hauptamtliche Geschäftsführung. „Durch diese nachhaltige Unterstützung können wir das Stiftungskapital kontinuierlich aufbauen und Stiftern eine verlässliche Stiftungsverwaltung anbieten“, sagt Winfried Ripp, von 1999 bis 2018 Geschäftsführer, heute Vorstand der Bürgerstiftung Dresden. Die Bürgerstiftung zählt zu den kapitalstärksten Bürgerstiftungen hierzulande. Sie arbeitet mit 13 fest angestellten Mitarbeitern, dazu kommen zwei Honorarkräfte und ca. 20 Ehrenamtliche.

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